Die Entwicklung des Kegelsports in Freyburg

Der heute als Asphalt - bzw. Classic-Kegeln bekannte Sport hat eine sehr lange Tradition, welche bis zum Anfang des 19. Jahrhundert zurückreicht. In einem Wörterbuch des Jahres 1829 welches von mehreren Gelehrten geschrieben wurde und sich mit Wissenschaft, Zünfte und Gewerbe beschäftigt, finden wir folgende Erklärung (wörtlich):

„Kegelspiel, ein Spiel, welches mit 9 (nur in Nord-Amerika mit 10) Kegeln, d.h. langen und runden Stücken Holz gespielt wird, die oben etwas dünner als unten und häufig an den Seiten so ausgeschweift sind, daß der obere Theil Kopf u. Hals bildet, und die gewöhnlich 3 und 3 in ein Viereck so aufgestellt werden, dass eine Ecke dem Spieler zugekehrt ist, und er 5 Reihen Kegel vor sich hat, und nach welchem mit einer hölzernen Kugel geschoben wird, um sie umzuwerfen."

In Freyburg ist dieses „Kegelspiel" erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verbreitet. Hierzu finden wir in der Chronik von Freyburg die erste Erwähnung von 1871, wo sich der erste vereinsähnliche Zusammenschluss von Bürgern der Stadt Freyburg das „Tabak`s-Collegiums" finden lässt.

Im §1 der Statuten finden wir folgende Aussage (Auszug, wörtlich)

§ 1

„Der am 23. December 1871 unter dem Namen: „Tabaks-Collegium" gebildete
Verein besteht unter diesem Namen fort und bezweckt gesellige Unterhaltung,
namentlich Kegelspiel"

§7

„Die Vereinsabende finden wöchentlich ein Mal, und zwar bis auf Weiteres am Donnerstag von 8 Uhr ab im Jahn-Hause statt.

Bei den geselligen Zusammenkünften darf nur lange Pfeife geraucht werden. Der Tabak wird aus Vereinsmitteln beschafft."

In den folgenden Jahren um die Jahrhundertwende werden weitere kleine Kegelvereine bzw. Kegelgruppen gegründet die meist auch im Jahnhaus ihre Vereinsabende durchführten. 
„Das Kegeln, die gesunde Leibesübung für ältere Herren, wird seit 1924 von Mitgliedern des „Turnerbundes" im „Jahnhause" eifrig betrieben."
In den Kriegsjahren 1939 -1945 gab es einzelne Kegelabende. 
Da die Kegelbahn im „Gasthaus Nißmitz" Schaden am Asphalt-Belag bekam, wurden die Kegelabende eine Zeit lang auf der Kegelbahn in „Heft`s Gasthof" – Großjena durchgeführt. 
Der „Gasthof - Nißmitz" wurde in den Jahren 1974/75 abgerissen und damit auch der hintere Teil, wo sich in einem separaten Gebäude die Kegelbahn befand.
Eine weitere Kegelbahn befand sich in der Gaststätte „Thüringer Pforte" am Bahnhof, jetzt Gartenlokal. Das Gebäude ist noch zu sehen und wurde vom Besitzer als überdachte Terrasse neu gestaltet. Welche Vereinigung und in welchem Zeitraum hier gekegelt hat ist nicht bekannt. Das gleiche gilt auch für die Kegelbahn am Schützenhaus.
Nach Gründung der DDR wurde der gesamte Sport im DTSB (Deutscher Turn – und Sportbund), neu organisiert. Dabei wurde auch der DKV (Deutscher Keglerverband) als Teilverband im DTSB, integriert. Alle Klub – oder Freizeitkegler mussten einer Sportgemeinschaft beitreten. In Freyburg gab es damals die (Betriebssportgemeinschaft) „BSG Empor Jahnstadt Freyburg". Zu den Sektionen Handball, Fußball und Schwimmen kam die Sektion „Kegeln" hinzu. BSG-Vorsitzender war Paul Rieks, ein Sportler der schon vor dem Krieg im „Turnbund" aktiv mitgewirkt hatte. Sektionsleiter war damals der Sportfreund Lehner.
Im Kreis Nebra nahm der (KFA) „Kreisfachausschuss Kegeln" seine Arbeit auf.

nach oben zurück

Erster KFA -Vorsitzender war Artur Lüttich aus Nebra.
Erstmals nach dem Krieg wurde im Sportkegeln ein Wettkampfbetrieb im Kreis Nebra organisiert. Das große Problem waren die fehlenden wettkampffähigen Kegelbahnen. Mit folgenden Sportgemeinschaften wurden erstmals Mannschafts- und Einzelmeisterschaften des Kreises Nebra im Spieljahr 1952/53 durchgeführt.
Die Mannschaft von „Empor" Freyburg bestand aus Keglern von Kegelgruppen aus Nißmitz und Freyburg. Sie war gleich im ersten Spieljahr erfolgreich und wurde Mannschafts-Kreismeister. Folgende Kegler waren damals beteiligt:

aus Freyburg: Paul Zeschke, Fritz Krellmann
aus Nißmitz:
Ernst Sitz, Stanislaus Jendro, Helmut Moßberg, Wilhelm Sitz, Otto Markweg

                    Sportfreund Wilhelm Sitz wurde 1953 der erste Kreiseinzelmeister


Bis 1963 wurde in Nißmitz gekegelt, dann zog man auf die neue Asphaltbahn im neu gebauten „Friedrich – Ludwig – Jahn – Sportpark", um. An eine automatische Kegelaufstellung, wie man sie heute kennt, war überhaupt nicht zu denken.
Einige, der jetzt noch aktiven Kegler, sind als Kegelaufstelleraufsteller zum Kegelsport gekommen. Die Kegeljungen bekamen damals als Lohn für ihrer Arbeit, eine Bockwurst und Fassbrause, später auch ein kleines Entgeld.
Am Anfang der 60 ziger Jahre häuften sich die Erfolge der Freyburger Kegler. Viele Kreiseinzelmeisterschaften, Pokalspiele und Mannschaftsmeisterschaften wurden gewonnen.
„TSG Jahn – und Weinstadt Freyburg"; Sektion Kegeln; „TSG" – Vorsitzender war zu dieser Zeit Sportfreund, Erich Triebe; Sektionsleiter Kegeln der Sportfreund Klaus Heine und danach der Sportfreund Lothar Klose.
1970, der bis dahin größte Erfolg, Aufstieg in die Bezirksklasse. Leider konnte man diese Spielklasse nur ein Jahr halten. Mit viel Ausdauer kämpfte man sich aber wieder nach oben.
                                        
                                       

Damals, wie heute, war die Kegelbahn zeitmäßig so ausgelastet, dass die neu gebildete Mannschaft „TSG III", ihren Trainingstag und Wettkämpfe auf die, 15 km entfernte Kegelbahn in Pomnitz (damaliger Kreis Naumburg) verlegen musste.
Ab 1980 wurde auf der Kegelbahn im Sozialgebäude der Rotkäppchen-Sektkellerei Freyburg gespielt.
Alle Mitglieder der „TSG Jahn – und Weinstadt Freyburg", Sektion – Kegeln, wurden in die „BSG RSK Freyburg" – Sektion Kegeln, aufgenommen.
Auf dieser, zu damaliger Zeit, hochmodernen Automatik-Bahn (Schweitzer Fabrikat) wurden die Punktspiele der 1. + 2. Wettkampfmannschaft durchgeführt.
Die Freizeitkegler verblieben weiter auf Kegelbahn im Jahnsportpark.
Die 1. Mannschaft schaffte 1982 erneut den Aufstieg in die Bezirksklasse.
In 10 Jahren verlor man gerade vier Heimspiele.
Auch diese Kegelbahn wurde, im Zuge des Abrisses des Sozialgebäudes 1995, abgerissen.
Mitte der 80 – ziger Jahre wurde auf Initiative und Beziehungen, des damaligen Sektionsleiter Werner Kahl , eine Aufstellautomatik in der Kegelanlage im Jahnsportpark eingebaut. Schon damals erhielten wir, wie heute große Unterstützung von seiten der Stadt Freyburg. Hervorzuhebend ist dabei die Hilfe vom damaligen stellvertretenen Bürgermeister Alfred Scholz.
Diese Automatik war schon ein großer Forschritt gegenüber anderen Kegelanlagen im ehem. Kreis Nebra. Sie wurde von den Kegelsportfreunden selbst eingebaut, maßgebend wirkte damals der Sportfreund Horst Römer mit.
Nach der Wende waren die Freyburger Kegler das einzige Team, welches ohne Unterbrechung den Wettkampfbetrieb fortsetzte.
1993 wurde erneut der Aufstieg in die Landesliga geschafft.
Mit dem Aufstieg in eine höhere Spielklasse ist es laut Wettkampfordnung, Bedingung auf einer Vier – oder Mehrbahnanlage die Punktspiele auszutragen.
Doch der Bau so eine Sportanlage war in Freyburg, trotz mehrmaliger Versuche Anfang der 70 ziger und 80 ziger Jahre mit der Stadt und den Sportverantwortlichen nicht realisierbar.
Die Kegler gaben nicht auf, wurden fündig und wichen ins Kegelcenter Krumpa aus um dort ihre Heimspiele auszutragen. Doch mit dem „Umzug" nach Krumpa fiel für Freyburg´s- Kegel -Herren allerdings auch schlagartig der im Kegeln so eminent wichtige Heimvorteil weg. Das war die Hauptursache für das schlechte Abschneiden in der Landesliga und den damit verbundenen Abstieg. Doch nun kam es wie es kommen musste, die Mannschaft zerfiel. Einige Sportler wechselten nach Großkayna und Branderoda . Das Ende des Kegelsports in Freyburg war besiegelt.
Die Freizeitkegler blieben über diese Zeit auf der Stadion-Kegelbahn im Jahnsportpark und der Sektkellereibahn.
Durch die hohe Beanspruchung der vielen Kegelgruppen, befand sich die Kegelbahn Ende 1997 in einem sehr schlechten Zustand. Der Asphalt war löchrig, die Automatik versagte immer öfter ihren Dienst. Die Stadt Freyburg entschloss sich nun, umfangreich zu rekonstruieren und zu modernisieren.
Die Bahn wurde mit Kunststoff ausgegossen, neue Automaten eingebaut, der Anlaufbereich erneuert, der Vorraum der Kegelbahn vergrößert und ein neu gestalteter Sanitärbereich eingefügt.

nach oben zurück

Größter Erfolg in erst fünfjähriger Vereinsgeschichte

 

Freyburger Kegler belegten den 1. Platz beim Hardtwald-Pokal 2002

Sechs Kegler des KSV Blau-Weiß Freyburg fuhren Anfang Mai 2002 nach Sandhausen. Auf der wunderschönen Zehn-Bahn-Kegelanlage starteten sie bereits zum fünften Mal beim trationellen Hardtwald-Gedenkturnier, dem größten dieser Art in Deutschland. An acht aufeinander folgenden Wochenenden starteten über 150 Mannschaften aus vier Ländern bei diesem Turnier. Die Teams werden in sechs Startgruppen – je nach Klassenwertigkeiten im Wettkampfbetrieb - zusammen gestellt. Die Freyburger starteten weiteren 36 gemeldeten Mannschaften in der Startgruppe 5 – Kreisligen + Reserve. Bereits im vergangenen Jahr konnte man hier einen sehr guten 10. Platz belegen. Diesen galt es natürlich zu bestätigen. Startberechtigt waren sechs Kegler pro Mannschaft, wobei das schlechteste Resultat gestrichen wurde. Da die Freyburger diese Kegelsportanlage bereits aus den letzten Jahren kannten, wurden auch in diesen Jahr sehr gute Ergebnisse erzielt. Man erzielte ein Mannschaftsergebnis von 2127 Leistungspunkten, was nach dem ersten Wettkampfwochenende den ersten Platz in der Startgruppe 5 bedeutete. Nun musste sich in den kommenden Wochen zeigen was dieses Resultat wert war.
Nach Beendigung des Wettkampfes fuhren die Kegler in das 10 Kilometer entfernte Heidelberg. Ein dortiger Stadtbummel und eine Dampferfahrt  auf dem Neckar rundeten diesen Tag und das Kegelwochenende in Sandhausen ab.
Im Internet wurden vom Veranstalter des Hardtwaldturnieres die Ergebnisse von Woche zu Woche aktualisiert und vervollständigt. Dies wurde natürlich auch von den Keglern aus Freyburg mit Interesse und Spannung verfolgt. Anfang Juli dann die Gewissheit – 1. Platz – KSV Blau-Weiß Freyburg. Der größte Erfolg in der erst fünfjährigen Vereinsgeschichte war geglückt.
Auf Grund der Entfernung war natürlich kein Vereinsmitglied zur Siegerehrung erschienen. Der Pokal wurde dem Vereinsvorsitzenden Hartmut Krause , verbunden mit den besten Glückwünschen zugeschickt.
In diesem Zusammenhang gilt unser besonderer Dank der Concordia-Versicherungsgruppe und deren Versicherungsfrau Gisela Nordmann.

Folgende Resultate wurden von den Freyburger Spielern erzielt:

Kahl, Werner 421; Krause, Hartmut 429; Zander, Jörg 405; Fritzsche, Steffen 428; Römer, Horst 444

 

www.kv-sandhausen.de/Hardtwaldturnier2002.htm